Immobilienfonds - Schließungen beunruhigen Anleger
Freitag Oktober 31st 2008, 4:01 pm
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Fonds
Die vorübergehende Schließung mehrerer Immobilienfonds beunruhigt Anleger.
Doch die Sorge ist unbegründet. Die Qualität der Fondseinlagen ist nicht in Gefahr, ebenso wenig die Renditen.
Die vorübergehende Aussetzung der Anteilsrücknahme bei einigen offenen Immobilienfonds erfolgt allein zum Schutz der Anleger.
Die Schließungen würden nicht aufgrund einer Krise der Fonds erfolgen, sondern seien ein Resultat der gegenwärtigen Finanzkrise.
Vermögensverwalter und institutionelle Anleger wie Banken und Versicherungen, die auf der Suche nach frischem Geld sind, zögen derzeit verstärkt Kapital aus diesen Fonds ab, um Liquidität zu beschaffen. Da die Fonds aber nicht über große Barreserven verfügen, machen sie von der gesetzlichen Möglichkeit gebraucht, den Anteilsverkauf zeitlich befristet auszusetzen.
Andernfalls müssten sie Vermögenswerte, etwa Immobilien, überhastet veräußern, um frisches Geld für Auszahlungen bereitstellen zu können. Dies ist aber aufgrund der ungünstigen Marktlage sowie dem zeitlichen Vorlauf, den Gründstücksverkäufe nun einmal brauchen, derzeit nur mit Verlusten möglich – zum Schaden der Anleger.
Anleger sollten gelassen bleiben
Für Anleger nicht betroffener Fonds besteht kein Anlass ihre Anteile zu veräußern. Die Sicherheit und Werthaltigkeit offener Immobilienfonds ist nicht beeinträchtigt. Anleger, deren Fonds geschlossen wurden, sollten ebenfalls ruhig bleiben. In drei oder vier Monaten haben wir eine andere Situation an den Finanzmärkten, dann werde das Fondsgeschäft wieder in normalen Bahnen weitergehen.
Fondsinhaber, die in der ersten Krise vor zwei Jahren bereits von kurzzeitigen Fondsschließungen betroffen waren, hätten sogar eine insgesamt hohe Rendite erzielt. Wer dennoch kurzfristig Anteile verkaufen muss oder möchte, der kann dies über die Börse tun – allerdings sind Kursabschläge unumgänglich.
Um künftig Totalschließungen zu vermeiden, macht sich der BVI aktuell dafür stark, zumindest einen bestimmten Auszahlbetrag jederzeit zu gewährleisten, im Gespräch sind 20.000 Euro. Auch das Weiterlaufen von Auszahlplänen ist angedacht. Entsprechende Gespräche mit der Politik laufen.
Konstante Renditen sprechen für Immobilienfonds
Anleger von offenen Immobilienfonds sind in diesen turbulenten Zeiten vergleichsweise gut aufgestellt. Während fast alle Anlageklassen wie Aktien, Rohstoffe oder auch Anleihen teils massive Einbrüche hinnehmen mussten, weist die jüngste Statistik für offene Immobilienfonds eine durchschnittliche Rendite auf Jahressicht von 5,1 Prozent aus. Damit gehören diese Portfolios eindeutig zu den Gewinnern der Börsenkrise.
Doch nicht nur in Krisenzeiten stellen offene Immobilienfonds eine attraktives Investment dar. Wer solche Fonds dauerhaft im Depot hält, erzielt Jahr für Jahr konstante Zuwächse. Laut BVI liegen die Durchschnittsrenditen solcher Fonds im 15-Jahreszeitraum bei 4,5 Prozent und im Zwanzigjahreszeitraum bei 5,3 Prozent.
Depotbeimischung erhöht Wertstabilität
Aufgrund ihrer geringen Schwankungsbreite und der niedrigen Verlustwahrscheinlichkeit sind offene Immobilienfonds als Depotstabilisatoren bestens geeignet. Die Professoren Bernd Rudolph und Lutz Johanning von der Uni München haben in einer aktuellen Studie den Stabilisierungseffekt von offenen Immobilienfonds auf das Gesamtdepot von Privatanlegern untersucht.
Ergebnis: Das Anlagerisiko eines durchschnittlichen Privatdepots, das zu einem Drittel aus internationalen Aktien, Anleihen und Geldmarktpapieren besteht, lässt sich durch die Beimischung von 25 Prozent offenen Immobilienfonds um gut ein Fünftel (21 Prozent) reduzieren. Positiver Nebeneffekt: Die Gesamtrendite steigt gleichzeitig an.
Steuervorteil begünstigt Nettorendite
Zu den Sicherheits- und Renditevorteilen gesellen sich unschlagbare Steuervorteile: Da die Fondsmanager der Immobilienfonds ihre Investitionsmittel zum großen Teil im Ausland anlegen, erzielen sie einen hohen Anteil an steuerfreien bzw. steuerbegünstigten Erträgen. 70 Prozent und mehr sind keine Seltenheit. Gerade vor dem Hintergrund der bevorstehenden Abgeltungssteuer sind offene Immobilienfonds deshalb besonders interessant.
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Quelle: M.Geißler
Wirtschaftsmacht Brasilien
Freitag Oktober 31st 2008, 1:40 pm
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Tagesthemen
Während die Finanzmärkte derzeit nur wenig schuldig bleiben, starrt alles auf die Schwellenländer
Wenigstens die BRIC-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China – sollten doch die Weltökonomie vor dem endgültigen Absturz retten können.
Schließlich brauchen sie uns als Absatzmärkte für ihre Exportindustrien – Interdependenz nennt man das.
Vor zehn Jahren traf es Brasilien hart.
Auf die Asien-Krise 1997 folgte die Russland-Krise ein Jahr später. Drei Monate nach Russland war die südamerikanische Regionalmacht fällig. Um einem Zusammenbruch zu entgehen, akzeptierte die damalige Regierung von Präsident Henrique einen 43-Milliarden-Dollar-Kredit des Internationalen Währungsfonds und unterwarf sich dessen Bedingungen.
Eine knallharte Sparpolitik verzehrte die brasilianische Ökonomie und verkrüppelte den Staat auf Jahre hinaus. Was den internationalen Gläubigern gefiel, gefiel den Brasilianern ganz und gar nicht. Auf einer Woge aus Aufruhr und Protest kam 2002 die Arbeiterpartei mit dem Gewerkschaftsführer Lula da Silva an die Macht.
Heute bietet sich ein anderes Bild, da es gelang, gegen viel Widerstand die horrenden Außenstände abzutragen.
Brasilien gehört mittlerweile wie die übrigen BRIC-Länder zu den Netto-Gläubigern, während die Schuldner, allen voran die USA, im reichen Norden sitzen.
Die von dort ausgehende Finanzkrise kann auch in Brasilien immensen Schaden anrichten – noch immer ein armes Land mit einer unglaublich jungen Bevölkerung (über zwei Drittel sind unter 25 Jahre alt) und ein superreiches Land mit immensen Bodenschätzen (Uran/Eisenerz), inklusive Erdöl, das in rauen Mengen vor der Küste lagert.
Dazu präsentiert sich das Brasilien des Präsidenten Lula als große und produktive “Neue Agrarmacht”, die antritt, den USA als dem führenden Agrarexporteur den Rang abzulaufen. Und das nicht nur mit Kaffee, Zuckerrohr und Soja, sondern auch mit Rindfleisch und Biosprit.
Vom Rohstoffboom der letzten Jahre, von den noch oben schnellenden Preisen für Eisenerz und agrarische Produkte hat das Land ebenso profitiert wie von der Explosion der Energiepreise. Die Exportüberschüsse haben sich zwischen 2003 und 2008 mehr als verdoppelt, so dass die Nationalbank einen Überschuss von etwa 210 Milliarden Dollar horten konnte. Nicht genug, um jähe Wendungen aufzufangen.
Die einheimischen Banken sind stark auf den Binnenmarkt fixiert und haben der hohen Realzinsen wegen (14 Prozent bei einer Inflationsrate von sechs Prozent) prächtig verdient. Riskante Spekulationsgeschäfte kamen insofern kaum in Betracht, weder für private noch die starken öffentlichen Institute. Zweifellos haben die Brasilianer die Lektion ihrer Bankenkrise vor zehn Jahren gelernt.
Heute gehört ihr Finanzsystem zu den am stärksten regulierten der Welt. Nur etwa 30 Prozent der Privatbanken gehören ausländischen Aktionären – in Mexiko sind es 80 Prozent.
Dennoch gehen die Eruptionen der internationalen Finanzkrise nicht spurlos vorüber.
Eine Depression ungeahnten Ausmaßes vor Augen, treten Investoren und Produzenten überall auf die Bremse, die Rohstoffpreise stürzen ab. Das trifft zunächst die Firmen, die mit dem Rohstoffhandel zu tun haben. In Brasilien sind das die umsatzstärksten unter den börsennotierten Unternehmen. Daher brach schon am 2. Oktober die Börse in Sao Paulo ein, immerhin die größte Lateinamerikas und – seit der Fusion der altehrwürdigen Bolsa de Valores de São Paulo (Bovespa ) mit der Terminbörse BM&F – die drittgrößte Börse der Welt.
Wenn São Paulo abstürzt, kracht es überall in Lateinamerika. Der Bovespa-Börsenindex sackte Anfang Oktober in knapp zwei Stunden um mehr als zehn Prozent ab, der Aktienhandel wurde ausgesetzt – ein Szenario, wie es seither mehrfach stattfand.
Der brasilianische Real hat im Vergleich zum Spätsommer um fast ein Drittel gegenüber dem Dollar verloren. Das stört den Export kaum und kann die brasilianischen Banken wegen ihrer geringfügigen Verbindlichkeiten dem Ausland gegenüber nur wenig kratzen, die Preise für Importwaren jedoch stiegen im Durchschnitt um ein Viertel, zum Verdruss einer wachsenden urbanen Mittelklasse.
Brasilien ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner für die deutsche Industrie in Lateinamerika.
Noch im ersten Halbjahr 2008 sind die Ausfuhren nach Brasilien um sagenhafte 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das heißt, wenn der brasilianische Import schrumpft, weil der Real an Wert verliert und der weltweite Rohstoffboom vorbei ist, bleibt die Exportnation Deutschland davon nicht verschont.
Ausländische Anleger verkaufen brasilianische Papiere, um an frisches Geld zu kommen, das drückt den Kurs des Real gegenüber dem Dollar weiter herab.
Brasiliens Präsident Lula da Silva befürchtet, dass der globale Süden den Preis für die unverantwortlichen Finanzabenteuer der Wall Street und des internationalen Spekulationskapitals zahlen muss. Im Moment sieht es noch so aus, als hätten die Brasilianer ihre Ökonomie gut immunisiert.
Falls jedoch eine Weltwirtschaftskrise heraufzieht und den Boom der neuen Industrieländer kappt, wird Brasilien der Krise nicht entgehen können.
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Quelle: M.Krätke